4. September 2025

Zahnrettungsboxen in Schleswig-Holstein

Ein wichtiger Beitrag zur Zahnerhaltung

2022 wurde weltweit in fast allen Altersgruppen das Vorkommen eines Zahntraumas mit 25 bis 30 Prozent beschrieben. Die Prävalenz im Kindes- und Jugendalter lag in Deutschland bei 6 bis zu 38 Prozent. Zahnunfälle sollen zu den häufigsten Verletzungen im Kindes- und Jugendalter gehören. Durch moderne Sport- oder Freizeitaktivitäten, auch in den Schulen, ist eine Zunahme von Zahnunfällen zu beobachten. Mehr als die Hälfte aller Verletzungen betreffen das Milchgebiss. Bei einem Zahnunfall sind häufig die oberen, mittleren Scheidezähne betroffen. Die Verletzungen reichen von Rissen im Zahnschmelz über Kronen-/Wurzelfrakturen bis zum vollständigen Verlust eines Zahnes.

Für den langfristigen Erhalt eines verletzten oder durch Trauma herausgefallenen bleibenden Zahnes sind zwei Faktoren entscheidend: die richtige Erstversorgung und die Zeit bis zur Behandlung durch eine Zahnärztin oder einen Zahnarzt. „Werden Zahnunfälle nicht sofort kompetent behandelt, können insbesondere schwer verletzte Zähne häufig nicht erhalten werden“, berichtet Prof. Dr. Andreas Filippi; Universitäres Zentrum für Zahnmedizin Basel UZB, Schweiz bei „proDente“ zum Thema Zahnunfall.

Schnell ist es passiert: Der Zahn ist abgebrochen oder ausgeschlagen. Was ist jetzt zu tun?

  1. Ruhe bewahren und den Zahn bzw. das Zahnstück suchen.
  2. Nur an der Zahnkrone anfassen – nicht säubern oder desinfizieren!
  3. Direkt in die Zahnrettungsbox geben – alternativ in H-Milch, Frischhaltefolie oder Kochsalzlösung lagern.
  4. Bei starker Blutung Mull (Gazetupfer) oder ein sauberes Stofftaschentuch auf die Wunde drücken, äußerlich kühlen.
  5. Zügig eine Zahnarztpraxis oder Zahnklinik aufsuchen.
  6. Zahnunfall der Unfallversicherung melden.

Die Zahnwurzel eines durch Trauma ausgefallenen bleibenden Zahnes darf nicht berührt werden oder austrocknen, da die Zellen der Zahnwurzelhaut sehr empfindlich sind. Sind die Zellen der Wurzelhaut geschädigt, ist die Prognose für den Zahnerhalt schlechter. Je besser die Lagerung, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass der Zahn erhalten werden kann.

Für den Transport des Zahnes ist am besten die sogenannte Zahnrettungsbox – ein kleines, handliches Behältnis, welches eine spezielle Nährlösung enthält – geeignet. In dieser Lösung kann ein Zahn bis zu 48 Stunden aufbewahrt und sicher transportiert werden. Die Zahnrettungsbox ist in Apotheken erhältlich. In Schleswig-Holstein werden kreisweise die Schulen und Kindertageseinrichtungen mit Zahnrettungsboxen bestückt. Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Kreise und Städte Kiel, Flensburg, Plön und Segeberg versorgt.

Ist keine Zahnrettungsbox verfügbar, kann ein Zahn in gekühlter H-Milch gelagert oder vorsichtig in Frischhaltefolie eingewickelt werden. Kochsalzlösung als letzte Möglichkeit ist ebenfalls in Apotheken erhältlich. Achtung: Diese Arten der Aufbewahrung sind nur für eine halbe bis zwei Stunden geeignet.

Viele Menschen wissen nicht, wie sie sich im Falle eines Zahnunfalls verhalten sollen. Um die Bevölkerung aufzuklären, gibt es verschiedene Informationsmöglichkeiten. Die Stadt Kiel präsentiert auf ihrer Internetseite „Gesundheit in Kiel | Zahnunfall – schnelles Handeln ist wichtig“ ausführliche Informationen und der Flyer „Zahn weg? Soforthilfe mit der Zahnrettungsbox“ kann dort heruntergeladen werden. Aktuell können bis zu 100 Flyer kostenlos unter www.zahnunfall24.de angefordert werden. Des Weiteren bietet die Initiative „proDente e. V.“ ebenfalls Informationen und Flyer für Patientinnen und Patienten sowie für Zahnarztpraxen an.

Die Zahnarztpraxen in Schleswig-Holstein haben die Möglichkeit, durch Information ihrer Patientinnen und Patienten einen wertvollen Beitrag zum Erhalt natürlicher Zähne zu leisten. Nutzen Sie die Angebote zur Aufklärung und Information. Jeder erhaltene Zahn bedeutet eine funktionelle, ästhetische Situation und trägt zum Wohlbefinden der Betroffenen bei.


Bei Fragen:

Melanie Metze
Prävention
Mail: metze@zaek-sh.de
Tel.: 0431 260926-70