CK 1: Grundlagen, das Kind als zahnärztlicher Patient, Endodontie und Prothetik im Kindes- und Jugendalter

Referent

Prof. Dr. Christian Splieth

Studium in Göttingen, Leeds/England und Minneapolis/USA; 3-jährige Tätigkeit in der Zahnarztpraxis, danach
Universität Greifswald mit Schwerpunktthemen Kariologie, Prävention und Kinderzahnheilkunde; zahlreiche
Bücher wie „Professionelle Prävention“, „Kinderzahnheilkunde in der Praxis“, „Non- und Minimalinvasive Kariestherapie“ und „Revolutions in Pediatric Dentistry“; April 2004 Professor für Kinderzahnheilkunde & Prävention an der Universität Kiel; seit Dezember 2004 Leiter der Abteilung für Zahnmedizinische Prävention & Kinderzahnheilkunde/Universität Greifswald; seit 2013 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde.

Lehrgangsinhalte

Mit den Kindern zieht es meistens die ganze Familie in die Zahnarztpraxis oder auch heraus, falls keine ausreichende Kompetenz für Kinderzahnheilkunde und Prävention vorhanden ist. Gerade in den letzten Jahren ist die Kinderzahnheilkunde aber deutlich anspruchsvoller geworden, da mit der Polarisation der Kariesverteilung auch die Anforderungen an den Zahnarzt steigen: Bei der Mehrheit der Kinder geht es um Wachstumsmonitoring und die Diagnostik von Initialläsionen bzw. minimalinvasive Techniken. Bei einer wachsenden Zahl von Kindern sind – meist infolge von Nuckelflaschenkaries – komplexe orale Rehabilitationen mit Milchzahnendodontie, Stahlkronen und Lückenhalter nötig, was eine enorme Herausforderung für alle Beteiligten darstellt. Fast jedes siebte 3-jährige Kind in Deutschland ist betroffen, mit im Mittel mehr als 3 Zähnen. In der ersten Klasse hat gar fast jeder zweite Grundschüler bereits Karieserfahrung an Milchzähnen, wobei oft 4-5 Milchzähne betroffen sind, die nur knapp zur Hälfte saniert sind. Der geringe Versorgungsgrad der kariösen Milchzähne ist vermutlich auf die geringe Kooperationsfähigkeit und -willigkeit der Kinder zurückzuführen.

Kinderzahnheilkunde kann sehr viel Freude bereiten, jedoch ist das Wissen über relevante Befunde und Therapieoptionen sowie eine angemessene Kommunikation essentiell. Denn das Management von kleinen Kindern mit mitunter sehr hohem Kariesbefall stellt eine Herausforderung dar. Auch wirtschaftlich kann die kinderzahnmedizinische Betreuung erfolgreich sein, allerdings nur, wenn das Know-How für eine zügige Umsetzung besteht. Auf diese und auch andere wesentliche Herausforderungen in der Kinderzahnheilkunde besser vorbereitet zu sein und damit reagieren zu können, ist das Ziel des neuen Curriculums.

In 5 Wochenendkursen werden folgende Themen behandelt:
?körperliches, orales und psychisches Wachstum und Entwicklung;
?Anamnese, allgemeine und spezielle Diagnostik,
Fotodokumentation / Fallpräsentation;
?Behandlungsmodus:
?Kommunikation/Patientenumgang, Verhaltensmanagement,
?Sedierungstechniken, Lachgas inkl. Notfall beim Kind,
?Narkosebehandlungen;
?Kariesprävention und minimalinvasive Therapie;
?Zahnhartgewebsstörungen wie z. B. MIH und deren Therapie;
?Endodontie am Milch- und jugendlich-permanenten Zahn/konfektionierte Stahlkrone;
?Frontzahntrauma im Milchgebiss und permanenten Gebiss;
?Allgemeinerkrankungen beim Kind, Multimorbidität, Umgang mit behinderten Patienten;
?KFO-Diagnostik, -Prävention und interzeptive Behandlung;
?Umsetzung in der Familienzahnarztpraxis/Schwerpunktpraxis.

Die Therapieentscheidungen z. B. bei Karies im Milchgebiss unterliegen anderen Kriterien als im permanenten Gebiss: Neben der Diagnose spielen u. a. das Alter, der Therapiemodus, die Kooperation des Kindes und der Eltern, die Kariesaktivität und das Kariesrisiko eine entscheidende Rolle. Das Curriculum spielt anhand verschiedener häufiger Diagnosen (u. a. Initialkaries, Dentinkaries, caries profunda mit/ohne Pulpitis, MIH, Trauma mit Pulpabeteiligung) das Therapiespektrum der Kinderzahnheilkunde durch. Dabei werden neue Therapieoptionen als Alternative zur konventionellen Füllungstherapie (z. B. Kariesinaktivierung oder die Stahlkronenversorgung in der HallTechnik) diskutiert. Auch die Frage nach dem Umfang der Kariesexkavation für eine erfolgreiche Zahnbehandlung wird anhand aktueller Studien diskutiert und in praxistaugliche Konzepte eingearbeitet.

Die einzelnen Module bauen aufeinander auf bzw. geben durch die Vielzahl an Referenten vielseitige Einblicke in die relevanten Themenbereiche und ermöglichen den Teilnehmern so eine gute Wissensbasis für eine adäquate und sichere Therapieplanung bei verschiedenen Befundsituationen und eine damit verbundene strukturierte Umsetzung. Neben aktuellen und praxisrelevanten Erkenntnissen aus der Wissenschaft soll deren Umsetzung auch anhand zahlreicher Patientenfälle dargestellt werden und in praktischen Anteilen trainiert werden.

Das Referententeam freut sich auf die Kolleginnen und Kollegen, die sich gerne in dem spannenden Fachbereich Kinderzahnheilkunde weiterbilden wollen. Dabei ist egal, ob es primär um die Erweiterung des eigenen Spektrums geht oder darum die eigenen Grenzen besser abstecken zu können bzw. um gewisse Patienten im richtigen Moment zum Spezialisten zu überweisen.

Modul 1 – Grundlagen, das Kind als zahnärztlicher Patient
Endodontie und Prothetik im Kindes- und Jugendalter
?Eröffnung des Curriculums,
?Grundzüge kindlicher Entwicklung: altersabhängige Voraussetzungen,
?zahnmedizinischer Behandlung,
?Denken und angemessene Ansprache und Aufklärung,
?Kommunikation mit Kind und Eltern,
?Zahnmedizin, Sozialstatus, Gesundheitskompetenz,
?dysfunktionale Erziehungsstile,
?psychische Erkrankungen und Störungen (z. B. Lutschen, Behandlungsangst),
?Techniken der Verhaltensmodifikation incl. Desensibilisierung,
?Abgrenzung zur Sedierung und Narkose, Forensik,
?Fallpräsentationen und Informationen zur Zertifizierung,
?Verletzung der Zahnhartsubstanz, des Zahnhalteapparates und des Alveolarknochens,
?Nomenklatur, Epidemiologie und Prävention dentaler Traumata,
?Prinzipien der Erstversorgung incl. Schienung,
?Replantation und Revaskularisation,
?Besonderheiten beim Trauma im Milchgebiss,
?Recall und Spätfolgen,
?endodontische Maßnahmen im Milchgebiss und im jugendlich-bleibenden Gebiss,
?Hands-on Stahlkrone und Milchzahnendo.